Smart Meter
Vorsprung durch Digitalität
Smartmeter, die digitalen Stromzähler, beschäftigen seit 2010 in Deutschland verstärkt Immobilienbesitzer und Bauherren. Der Grund: Nach dem neuen Energiewirtschaftsgesetz müssen alle Neubauten sowie totalsanierten Altbauten seit dem Jahr 2010 mit einem Smartmeter ausgestattet werden. Bis zum Jahr 2020 sollen schließlich auch alle alten Drehscheiben-Stromzähler gegen Smartmeter ausgetauscht sein. Doch was sind Smartmeter genau? Welche Vorteile bringen Smartmeter, welche Nachteile befürchten Datenschützer, und was ist dran an der Kritik? energiewelt.de gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Smartmeter sind intelligente, digitale Stromzähler. Anders als bei den herkömmlichen Drehscheiben-Stromzählern (Ferraris-Zählern), bei denen der Stromverbrauch im Regelfall nur einmal jährlich über eine Messzahl vor Ort abgelesen wird, speichern Smartmeter in regelmäßigen Intervallen die Verbrauchswerte in Echtzeit und verfügen über die Möglichkeit der Fernauslesung. Alle digital gespeicherten Energiedaten eines Haushalts werden hierbei an den Verbraucher und Versorger über das Telefon, das Internet oder die Stromleitung weitergeleitet. Das Ablesen vor Ort oder das Eintragen des Zählerstandes auf Postkarten entfällt damit.
Für wen sind Smartmeter vorgeschrieben?
Nach dem neuen Energiewirtschaftsgesetz ist der Einbau von Smartmeter Pflicht für:
- Besitzer von Neubauten, die nach 2010 erbaut wurden.
- Besitzer von sanierten bzw. umfassend modernisierten Altbauten
- Kunden, die mehr als 6.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr verbrauchen.
Die Kosten für den Geräteaustausch und die Installation von Smartmeter trägt beim Pflichteinbau der Netzbetreiber. Wie schon bei der Nutzung des bisherigen Ferraris-Zählers zahlen Kunden für Smartmeter lediglich eine monatliche Miete für das Gerät.
Ausgedient: Die alten Ferraris-Zähler müssen laut dem neuen Energiewirtschaftsgesetz bis 2020 überall ausgetauscht werden. Wer in einem Altbau schon vor dem Jahr 2020 Smartmeter nutzen möchte, kann zwar ebenso den Austausch des alten Drehstromzählers gegen den intelligenten Zähler bei seinem Energieversorger beantragen. Den Austausch hat in diesem Fall allerdings der Kunde zu zahlen.
Ich weiß, was Du heute Morgen getan hast…. ?
6.00 Uhr morgens, der Wecker klingelt, die Kaffeemaschine springt an. Schnell Duschen und Frühstücken, um 7.00 Uhr geht es ins Büro. Zur gleichen Zeit wird ein PC im Haushalt hochgefahren. Vor der Schule schreibt die Tochter noch schnell bei Facebook ihre Erlebnisse ins Netz. 13.00 Uhr, der Sohn kommt nach Hause, schmeißt die Schultasche in die Ecke. Kurz darauf macht er den Fernseher an. Die Hausaufgaben können warten …
Viele Datenschützer befürchten, dass Tagesabläufe wie diese detailliert durch Smartmeter erfasst und Kunden damit zum gläsernen Konsumenten für Energieversorger werden.
Außerdem wird die Datensicherheit bei der Übertragung der Verbrauchsdaten an den Energieversorger und Kunden angezweifelt.
Kundenwunsch: verbesserter Service und Kostenkontrolle
Tatsächlich werden durch Smartmeter die Verbrauchsdaten eines Haushaltes digital gespeichert. Allerdings nur die Daten, die für die Abrechnung der Stromkosten auch wirklich benötigt werden. Welche Geräte genau im Haushalt genutzt werden, ist so in der Fernauslesung nicht erkennbar, sondern nur der Gesamtenergieverbrauch im Haus während eines bestimmten Zeitraums.
Um die Sicherheit der übertragenen Daten zu gewährleisten, werden alle Verbrauchsdaten ausschließlich verschlüsselt über das Internet zum Medium übertragen.
Mit der Einführung von Smartmetern wird zugleich dem Wunsch der Verbraucher Rechnung getragen, jederzeit eine transparente Kostenkontrolle über die eigenen Energiekosten zu erhalten.
Darüber hinaus können Lastspitzen erkannt werden, d. h. zu welcher Tageszeit die Strompreise besonders teuer oder aber besonders preiswert sind.
Aber auch versteckte Stromfresser wie Stand-by-Geräte können aufgespürt werden. Ein Anzeichen für Stand-by-Verbrauch ist beispielsweise der Stromverbrauch nachts. Ist dieser ungewöhnlich hoch, können Stand-by-Geräte wie Fernseher oder PCs dafür verantwortlich sein. Genau lokalisieren können Smartmeter die Geräte zwar nicht. Smartmeter erleichtern aber über die Registrierung des Stromverbrauchs das Erkennen von Stand-by-Verbräuchen.
Zusätzlich sollen Smartmeter den Ausbau von Smart Grids vorantreiben – intelligente Stromnetze, die Stromspitzen vermeiden und Ökostrom wie Windkraft und Solarenergie passgenau in die Stromversorgung mit einbeziehen. In Zeiten hoher Netzeinspeisung von Strom aus Sonnen- oder Windenergie sollen dann beispielsweise bei den Privatkunden vermehrt Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen Trockner und Spülmaschine betrieben werden. Die Nutzungsverlagerung wird dann mit einem niedrigen Stromtarif belohnt. Wenige konventionelle Kraftwerke sorgen dann nur noch für eine Basisstromerzeugung.
Wenn nur witterungsbedingt wenig regenerativer Strom ins Netz eingespeist werden kann, helfen Reservekraftwerke (Gaskraftwerke, Speicherwerke) aus. Das funktioniert nur mit einem intelligenten Stromnetz, das in den nächsten Jahren forciert ausgebaut werden muss.
Ein intelligentes Stromnetz, das auch neue Tarife ermöglicht. Maßgeschneidert abgestimmt auf die individuellen Verbrauchswerte. Wie hoch die Verbrauchswerte sind, kann schließlich in Zukunft auch dank Smartmetern, kombiniert mit Hilfe einer intelligenten Haussteuerung, auf ein Optimum reduziert werden.
Zuguterletzt: Die Messdienstleistung und der Messstellenbetrieb der Smartmeter können nach dem neuen Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) vom Kunden selbst ausgewählt werden. Die Dienstleistung wird so liberalisiert.
Die Vor- und Nachteile von Smartmeter auf einen Blick
Die Vorteile von Smartmeter
- Smartmeter ermöglichen eine monatliche oder quartalsweise Stromabrechnung und zugleich eine volle Kontrolle über Ihre Energiekosten. Die bisherigen Jahresabrechnungen, inklusive Nachzahlungen und festgesetzten Abschlagzahlungen können entfallen.
- Durch die digitale Erfassung kann Ihr Stromverbrauch jederzeit von Ihnen über das Internet eingesehen und detailliert analysiert werden.
- Durch die digitale Übermittlung des Stromverbrauchs wird der Verwaltungsaufwand bei Energieversorgern erheblich reduziert. Dadurch können in Zukunft neue Tarife angeboten werden, die individuell auf Ihren Stromverbrauch zugeschnitten sind.
- Smartmeter liefern einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Denn durch Smartmeter können Überlastungen und Spitzenzeiten im Stromnetz besser ermittelt und optimiert werden. Mit Hilfe der Daten können Energieversorger flächendeckend Smart-Grids aufbauen – intelligente Stromnetze, die eine „verbrauchsorientierte Stromerzeugung“ ermöglichen und zugleich die Einspeisungsrate von Wind- und Solarenergie verbessern.
- Stille Stromfresser wie Stand-by-Geräte können leichter aufgespürt werden.
Die Nachteile von Smartmeter
Die Kosten für Smartmeter sind noch vergleichsweise hoch. Zwar kann jeder seit 2010 laut Gesetz den Einbau eines Smartmeters von seinem Energieversorger verlangen. Die Kosten hierfür werden aber nur bei Neubauten oder sanierten Altbauten vom Energieversorger übernommen.
Besitzen Sie einen Altbau, haben Sie erst ab dem Jahr 2020 Anspruch auf einen kostenlosen Austausch des alten Drehscheibenzählers. Davor tragen Sie die Kosten selbst. Je nach Anbieter belaufen sich die Installationskosten auf ca. 80 Euro. Dazu kommen für jeden Kunden Mietgebüren für Smartmeter – im Schnitt 5 Euro pro Monat.
Fazit: Für Hausbesitzer, die hohen Wert auf eine Transparenz und die volle Kostenkontrolle über ihre Stromabrechnungen legen sowie ihre Energiekosten auf ein Minimum senken möchten, ist Smartmeter eine Grundvoraussetzung.
Für besonders preisbewusste Energiesparer, die noch in einem unsanierten Altbau leben, rechnen sich Smartmeter dagegen noch nicht. Hier bringt das Enttarnen von Stromfressern z. B. mit Hilfe eines gemieteten Strommessgerätes weitaus mehr.
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