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Zukunftshäuser von gestern

Ein „Intelligentes Haus“, das seinen Bewohnern viele Arbeiten abnimmt? Mittlerweile ist dieser Traum in greifbare Nähe gerückt. In zahlreichen Projekten wie dem Duisburger InHaus der Fraunhofer Gesellschaft wird derzeit die Akzeptanz solcher „Smart Homes“ erprobt. Verblüffend – vieles was heute Stand der Technik ist, haben sich Architekten schon vor Jahrzehnten erträumt, wie ein Blick in die Geschichte der Zukunftshäuser zeigt:

1933 – Expo-Highlight „House of Tomorrow“

Nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise schaute die Welt Anfang der 1930er-Jahre voller Optimismus in die Zukunft. Die Expo 1933/34 in Chicago sollte gar ein „Jahrhundert des Fortschritts“ einläuten. Die passende Vision vom Wohnen lieferten die Architekten William und George Keck mit ihrem „Haus von morgen“, das eine der größten Attraktionen der Weltausstellung war. Das gläserne, zwölfseitige Haus war eines der ersten, in dem Solarenergie konsequent zum Heizen eingesetzt wurde. Und auch die technische Innenausstattung vom Geschirrspüler bis zu dimmbarem Licht und zentraler Klimaanlage stellte erste Weichen in die Zukunft. Nur die Garage samt Privatflugzeug war wohl etwas zu optimistisch gedacht. Die Bauherren gingen davon aus, dass in Zukunft jede Familie ein eigenes Flugzeug haben würde.

1947 – Skurriles „Dymaxion House“

Einer der visionärsten Architekten seiner Zeit war der Amerikaner Richard Buckminster Fuller. Sein Dymaxion House, das er 1947 nach fast 20-jährigen Studien realisierte, hatte sich dem Thema der Effizienz verschrieben. Äußerlich eine Mischung aus fliegender Untertasse und mongolischer Jurte, war es im Inneren ein Sammelsurium innovativer Technik. Auch die Statik war außergewöhnlich: Der gesamte Baukörper war an einem zentralen Mast aufgehängt, der zugleich alle Versorgungsleitungen enthielt. Vakuumgedämmte Außenwände sorgten für Passivhaus-Standard. Als Heizung reichte die Abwärme weniger Glühlampen und die des hauseigenen Stromgenerators. Es gab eine zentrale Lüftungsanlage und allerlei energie- und wassersparende Geräte. Trotz dieser Vorzüge fand Fuller keine Geldgeber für die Fertigung im großen Stil. So blieb es bei zwei Prototypen des außergewöhnlichen Wohnobjekts. Eines davon ist heute im Henry Ford Museum in Dearborn, Michigan zu bewundern.

1957 – Disneys „House of the Future“

Es war die große Ära der Kunststoffe, als das von der Firma Monsanto gesponserte „House of the Future“ 1957 entstand. Und so war es nur eine logische Konsequenz des Zeitgeistes, dass es komplett aus Plastik bestand. Zwischen Plastikwänden und Plastikfußböden konnten Besucher die Zukunft bestaunen: Vom Bildtelefon über Mikrowellenherd und elektrische Zahnbürste bis hin zur Ultraschallspülmaschine und höhenverstellbarem Plastikspülbecken. Mehr als zehn Jahre war das Zukunftshaus eine der Hauptattraktionen in Disneys „Tomorrowland“, bis es abgerissen wurde.

1967 – Visionäres „House of Tomorrow“

Fast liest es sich wie eine Vorausschau der Technik von heute, was sich der US-amerikanische Elektronikriese Philco-Ford vor mehr als 30 Jahren für die Wohnzukunft erträumte. Nachzulesen in der Zeitschrift „Radio Electronics“ aus dem Jahr 1967. Im „Haus von morgen“ würde die gesamte Haustechnik von einem einzigen Zentralcomputer aus geregelt und überwacht werden, stand da geschrieben. Wandgroße LED-Bildschirme würden kinoartiges Fernsehen in 3D-Technik ermöglichen. Raumbeduftungssysteme würden für angenehme Stimmung sorgen, zentrale Klimaanlagen für angenehme Temperaturen in allen Räumen. In der Küche würde die Zubereitung der Mahlzeiten vollautomatisch computergesteuert erfolgen. Sollten einmal Zutaten fehlen, würde die Hausfrau der Zukunft per Videokonferenz mit dem Lebensmittelhändler in Verbindung treten und ihre Bestellungen aufgeben. Und damit der Schlaf nicht gestört würde, sollte ein Sicherheitssystem mit Bewegungsmeldern über Haus und Grundstück wachen.

1997 – „Cyberhome“ von Bill Gates

1997 erfüllte sich der damals reichste Mann der Welt, Bill Gates, seine Vision vom Wohnen. Am Ufer des Lake Washington bei Seattle bezog er mit seiner Familie ein Haus, das ein Heer von Softwarespezialisten in mehrjähriger Bauzeit in das erste intelligente Haus der Welt verwandelt hatte. Zu den verblüffendsten Innovationen des „Cyberhome“ gehört, dass Bewohner und Besucher einen Chip bei sich tragen, auf dem sämtliche ihrer Gewohnheiten und Vorlieben gespeichert sind und der ihren Standort permanent über dutzende im Haus verteilte Sensoren an den Zentralcomputer leitet. Betritt eine Person einen Raum, erklingt automatisch ihre Lieblingsmusik, leuchten an den Wänden die Lieblingsbilder in digitalen Bilderrahmen auf, und die Wände nehmen die gewünschte Farbe an. Selbst die Temperatur des Badewassers ist für jeden Bewohner individuell gespeichert und wird mit Betreten des Badezimmers automatisch eingestellt.

2009 – „InHaus“ im Duisburger Hafen

Was für Bill Gates das „Cyberhome“, ist für die Fraunhofer Gesellschaft das „InHaus“ in Duisburg. Seit 2001 wird im größten Innovationszentrum für intelligente Raum- und Gebäudesysteme die Zukunft des intelligenten Wohnens erforscht und neuartige Anwendungen auf ihre Praxistauglichkeit und Akzeptanz getestet. Ziel ist die intelligente Vernetzung aller elektronischen Komponenten via Inter- oder Intranet und letztlich selbst lernende Systeme. Denkbar ist beispielsweise eine intelligente Badlüftung, bei der sich die Fenster automatisch öffnen, sobald die Raumluft zu feucht wird. Mehr Infos: www.inhaus-zentrum.de